Erste Spuren führen zurück in das Jahr 1979. Am 4. Dezember dieses Jahres stellten der damalige
Ortsbürgermeister Hugo Fröhlig und die Ratsfraktion der CDU den Antrag, "ein Blasorchester aufzubauen
und die dafür erforderliche ideelle und finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde zur Verfügung zu stellen."
Weitere Hinweise über die Gründung einer Blaskapelle finden sich im Heimatbrief des Jahres 1980. Unter der
Überschrift "Fanfarenzug 1975 Lingenfeld" findet sich ein Absatz, in dem der damalige Geschäftsführer des FZ,
Herr Heinz Fischer, berichtet, dass "wir wieder Mut gefasst haben und im nächsten Jahr erneut versuchen wollen,
unseren Zug mit einer Abteilung für Blasmusik zu erweitern."
Bereits zuvor muss es Bemühungen in dieser Richtung gegeben haben, denn er berichtet weiter, dass "unser erstes
Angebot an die Lingenfelder musikinteressierte Jugend kein großes Echo gefunden hat."
Die Bemühungen des Fanfarenzuges wurden damals auch von der Ortsgemeinde aufgegriffen und positiv gesehen.
Im Haushaltsjahr 1980 wurden Mittel für die Beschaffung von Musikinstrumenten bereitgestellt.
Es schien, dass die Lingenfelder doch nicht so blasmusikinteressiert waren, denn diese Bemühungen blieben ohne
Erfolg - zumindest vorläufig!
Etliche Gesprächsrunden des Ortsbürgermeisters Alban Gutting waren nötig, bis sich Mathias Pahle bereit erklärte,
den "Aufbau und die Proben in musikalischer Hinsicht zu übernehmen."
Das war am 28. November 1983.
Der Heimatbrief des Jahres 1983 zeugt dann auch von diesem Erfolg. Es ist zu lesen, dass "Ortsbürgermeister Gutting
sich erfolgreich bemühte, eine Blaskapelle ins Leben zu rufen. 20 junge Leute konnten sich dafür begeistern, ein
Blasinstrument zu erlernen und unter Dirigent Mathias Pahle die ersten Schritte zu gehen. Die Ortsgemeinde wird die
Kosten für die Anschaffung der Instrumente übernehmen. In der Anfangsphase wird die Kapelle dem Volksbildungswerk
angegliedert sein. Die Gründung eines Musikvereins werden Bürgermeister und Rat sehr begrüßen und fördern."
Der erste Schritt war also getan. Der Verdienst daran gehört Männern mit Weitblick, Zuversicht und Vertrauen auf
die Lingenfelder.

Gruppenbild 1984 vor dem Neubau des Sängerheimes
Am 5. Februar 1984 fand die erste Probe im Sängerheim des MGV Lingenfeld statt. Schon am 21. Juni, gerade vier
Monate nach Beginn der ersten Probe, marschierten 43 Musiker beim Fronleichnamszug mit.
Der erste öffentliche Auftritt.
Als am Abschlußaltar im Schulhof der Choral "Großer Gott wir loben Dich" erklang, hatten nicht wenige Lingenfelder
aus Freude über "Ihre Blaskapelle" Tränen in den Augen. Aus Freude über den gelungenen Start wurde für den Nachmittag
ein Freiluftkonzert am Willersinn II organisiert.

Bürgermeister Gutting dirigiert die Dorfmusikanten
Beim 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr im September 1984 absolvierten die Lingenfelder Dorfmusikanten ihren ersten Umzug und
spielten schon mit einem zweistündigen Programm im Festzelt auf.
Die sehr gute personelle und musikalische Entwicklung ermöglichte es, dass sich die Mitglieder am 7. Februar 1985 im
Lokal "Zur Altrheinstube" zur Gründung eines wie vom Ortsgemeinderat gewünschten eigenständigen Vereins zusammenfanden.
Die Anwesenden beschlossen einstimmig, daß der Verein den Namen "Lingenfelder Dorfmusikanten" tragen soll und die bis
auf wenige Punkte geänderte Vereinsatzug wurde verabschiedet.
"Lingenfelder, Ihr habt wieder eure Blaskapelle" war die überschrift der ersten Geburtstagsfeier. Ein großes Plakat sorgte dafür, dass
spätestens ein Jahr nach der Gründung die Lingenfelder Dorfmusikanten auch weit über die Ortsgrenze bekannt wurden.
Die Presse berichtet im Jahr 1986 von lustigen Ereignissen, wie von einem närrischem Konzert in Badekleidung im Hallenbad und verstärkt von
Musikern befreundeter Vereine von der Teilnahme beim Rosenmontagszug in Mainz. Am 5. Oktober fand ein Jazzfestival mit der "Vistula River Brass
Band" im Foyer der Goldberghalle statt. Fast alle Veranstaltungen in der politischen wie in der kirchlichen Gemeinde wurden mittlerweile von den
Dorfmusikanten mitgestaltet.
Kaum war am 16. März 1987 mit dem "Tag der Blasmusik" der dritte Geburtstag gefeiert, ging es am 23. und 24. Mai auf die erste große
Fahrt. Ziel war die Burg Rieneck, wobei die Lingenfelder Dorfmusikanten den Tag der offenen Tür musikalisch gestalteten. Zwei Tage unterhielten sie
die Gäste der Burg mit Stimmungsmusik. Durch das Ausscheiden von Mathias Pahle auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 24. September 1987
wurden Neuwahlen notwendig. Vorsitzender wurde Helmut Hardt, und bis sich am 28. Oktober Ernst Merdian aus Mechtersheim bereit fand, das Amt des
Dirigenten zu übernehmen, fungierte Helmut Schuler als übergangsdirigent.
Im Januar 1988 erfolgte der Beitritt zum Kreismusikverband Germersheim. Durch persönliche Kontakte des Mitgliedes Karl Wolf konnten die
Dorfmusikanten am 12. März 1988 die heute sehr bekannte "Pilgramsreuther Blaskapelle" in der Goldberghalle präsentieren. Beim "Tag
der Blasmusik" am 5. Juni 1988 marschierte der Fanfarenzug unter der Stabführung von Otto Müller erstmals mit neuen Uniformen ein. Nachdem
Helmut Hardt sein Amt am 20.Juli 1988 vorzeitig niederlegte, übernahm der damalige 2. Vorsitzende Hermann Zuber die Amtsgeschäfte bis zur nächsten
Mitgliederversammlung, bei der er am 9. Januar 1989 als Vorstand bestätigt wurde.
Durch seinen Sachverstand und sein Können brachte Ernst Merdian die Musiker zu besseren Leistungen. "Alles andere als anfängerhaft verlief
das erste Konzert am 19. November in der jungen Vereinsgeschichte, das die Lingenfelder Dorfmusikanten mit eigenen Kräften durchführten. Der erst
vor wenigen Jahren ins Leben gerufene Musikverein bot den zahlreichen begeisterten Zuhörern ein Programm, das anspruchsvoll zusammengestellt und
mit erstaunlicher Reife ausgeführt war." So berichtet die Speyerer Rundschau am 22.11.1988.
Die Kapelle war mit 32 Musikern im Alter von 12 bis 58 Jahren besetzt und spielte zum ersten mal in einheitlichen roten Westen, auf denen
das bis heute gültige Vereinswappen mit dem "Waldhorn" aufgestickt war. Die Musikrichtung der Dorfmusikanten war "konzertante Blasmusik
mit modernem Einschlag".
In den folgenden Jahren konzentrierten sich die Dorfmusikanten in erster Linie um die musikalische Weiterentwicklung. Viele Spieltermine bei
befreundeten Kapellen und im örtlichen Leben standen auf der Tagesordnung. In Erinnerung an das spontane Freiluftkonzert nach dem allerersten
Auftritt nach Fronleichnam am 21. Juni 1984 musizierten die Dorfmusikanten im Sommer 1989 wieder am Willersinn II. Eine fünftägige Fahrt
nach Südtirol wurde genutzt um auszuspannen, die Geselligkeit zu pflegen und sich auf das Jahreskonzert unter dem Motto "Highlights"
vorzubereiten.
Das Konzert am 25. November 1989 im der Goldberghalle wurde wie im Vorjahr ein großer Erfolg, und der Wunsch festigte sich jährlich
ein Konzert aufzuführen. Das dritte "Open Air" mit Unterstützung von Gastvereinen wurde im Sommer vor der Goldberghalle gefeiert.
Auch der Angelsportverein verpflichtete die Dorfmusikanten, um beim traditionellen, weit über die Ortsgrenzen bekannten Fischerfest, die Gäste
zum Frühschoppen zu unterhalten. "Wichtiger" Bestandteil des Vertrages war die Klausel "Außerdem werden die Mitglieder der Kapelle
ausreichend mit Getränken versorgt, wozu extra ein Mitglied des ASV Lingenfeld abgestellt wird". Nach der Teilnahme am Festzug zum 150
jährigen bestehen der katholischen Kirche in Lingenfeld begannen die Vorbereitungen zum Jahreskonzert am 24. November 1990 unter den Motto
"Erinnerungen".
Erfreulich begann das Jahr 1991 mit der erfolgreich beendeten Prüfung zum staatlich geprüften Musiklehrer für
die Aktiven Sabine Merdian und Klaus Ungeheuer. Das Freiluftkonzert an der Goldberghalle und viele Spieltermine in und um Lingenfeld, besonders die
Mitwirkung bei der Übergabe des neuen Freizeitzentrums am Hirschgraben und das Jahreskonzert "Young Live" bestimmten das Jahr 1991. Bei
diesem Konzert wurden auch die neuen Uniformjacken, die schon lange neben den roten Westen, dem Wunsch nach einem einheitlichen Erscheinungsbild Rechnung
trugen, vorgestellt.

Gruppenbild 1991 mit neuen Uniformjacken
Im April 1992 legten Sabine Merdian und Klaus Ungeheuer im badischen Weingarten die Prüfung zum Dirigenten ab. Acht Jahre nach Vereinsgründung
konnten die Lingenfelder Dorfmusikanten stolz auf ihre Dirigenten aus den eigenen Reihen sein. Die Konzentration galt der musikalischen
Weiterentwicklung und dem Jahreskonzert, das erstmals nicht mehr im Herbst, sondern im darauffolgenden Frühjahr durchgeführt werden sollte.
Nach dem Jahreskonzert "Blasmusik Impressionen" am 13. März 1993 begannen die Vorbereitungen zum 10jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 1994.
Der Jubiläumsreigen begann am 12. März 1994 mit dem Jubiläumskonzert "10 Jahre Lingenfelder Dorfmusikanten" im Foyer der Goldberghalle. "Wenn es
vor 10 Jahren noch ein Wagnis war, ein Blasorchester zu gründen, so wurde der damalige Mut nun eindrucksvoll belohnt." So berichtete Die
Rheinpfalz am 14. März 1994. Gerade war der Beifall im Foyer verklungen sorgten die Musiker am 13. März für die musikalische Umrahmung bei der
offiziellen Einweihung der Lingenfelder Tagesstätte.
Aus Anlaß ihres 10 jährigen Bestehens wurde das Kreismusikfest des Kreises Germersheim in Lingenfeld gefeiert. "Mit Stolz und Genugtuung kann
der Verein auf die bisher geleistete Kulturarbeit zurückblicken. Getreu dem Motto der teilweise immer noch aktiven Gründer,
war er stets bemüht, die Musik als ein für das Gemeinschaftsleben wichtiges Kulturgut zu pflegen", schrieb Landrat Gottfried Nisslmüller als
Grußwort in der Festschrift. Das Kreismusikorchester unter der Leitung von Herrn Achim Drafz eröffnete am 14. Mai 1994 das dreitägige Fest und der
Musikverein Mechtersheim spielte danach zur Unterhaltung auf. Nach den Frühschoppen am Sonntag, gestaltet durch jugendliche Musikgruppen aus dem
Kreismusikverband Germersheim zogen am Nachmittag 20 Zugnummern mit neun Musikvereinen, begleitet von zwei Cabriolet des Autohauses Müller, mit dem
Landrat, dem Präsidenten des Kreismusikverbandes und Ortsbürgermeister Gutting, durch den Ort. Am Zugende die Gastgeber "Lingenfelder
Dorfmusikanten". Beeindruckend war der Massenchor mit allen zehn Blaskapellen an der Goldberghalle, in der mit fünf weiteren Blaskapellen aus
dem Kreisgebiet der Sonntag beendet wurde. Mit dem Einmarsch des Fanfarenzuges Lingenfeld und Gesangsdarbietungen des Männergesangverein mit
Frauenchor, sowie des Kirchenchors begann der Montagabend. Die Musikvereine Concordia Neudorf und Steinweiler sorgten für Stimmung und zum Schluß
brachte die Lingenfelder Schalmeienband die Gäste zum Festausklang nochmals richtig in Schwung. Abgerundet wurde das Jubiläumsjahr durch Erfolge
in der Nachwuchsarbeit. Ein Musiker legte das Jungmusikerleistungsabzeichen in Gold ab, und acht junge Musikanten bestanden ihre Prüfung zum
Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze.
Am 21. Mai 1995 fand erstmals der "Tag der Blasmusik" statt. Dieser Tag wurde vom Kreismusikverband als Alternative zum Kreismusikfest
ins Leben gerufen. Die Lingenfelder Dorfmusikanten gestalteten diesen Tag am Sonntagmorgen mit einem Feldgottesdienst am Lauxengarten mit modernen
Kirchenliedern. Nach dem Gottesdienst waren Kirchenbesucher und die Bevölkerung zu einem Grillfest mit der Blaskapelle auf dem Gelände des
Kleintierzuchtvereins eingeladen. Fand auch in diesem Jahr kein Jahreskonzert statt, so lief die Ausbildung doch auf Hochtouren. Ein Jugendbeirat
wurde ins Leben gerufen, eine Schülerin erwarb das Jungmusikerleistungsabzeichen in Silber und zwei in Bronze. Zum ersten Mal beteiligte sich die
Jugend am Weihnachtsmarkt.
Das Jahreskonzert "Songs, Hits, Beat" fand am 16. März 1996 zum ersten Mal in der Schulturnhalle statt. Der zuerst nur aus Platzgründen
angedachte Wechsel von dem Foyer der Goldberghalle in die Schulturnhalle entpuppte sich als Glücksgriff. Wegen der besseren akustischen Eigenschaften
der Halle entschlossen sich die Dorfmusikanten ihre Konzerte zukünftig hier zu veranstalten. Unser erster Dirigent und Mitbegründer Mathias Pahle
verstarb am 30. April 1996 in Harthausen. Wir sind uns bewusst, dass es die Dorfmusikanten ohne sein Engagement nicht gäbe. Wir begleiteten ihn auf
seinem letzten Weg.
Der Tag der Blasmusik begann mit der Feldmesse und anschließend spielten die Dorfmusikanten auf der Wiese am Sängerheim auf. Dem Angelsportverein
gratulierten die Musiker mit einem Frühschoppenkonzert und mit der Teilnahme am Festzug. Bereits zum zweiten Mal beteiligte sich unsere Jugend beim
Lingenfelder Weihnachtsmarkt. In der Vorbereitung auf das Jahreskonzert am 19. April 1997 fuhren die Musiker zum ersten Mal in eine Orchesterfreizeit
mit fast allen Aktiven. Von Freitag bis Sonntag war das Christopherushaus in Bad Dürkheim Proberaum der Kapelle. Der musikalische Höhepunkt des Jahres
war das Frühjahrskonzert in der Schulturnhalle. Unter dem Motto "Hollywood" kamen bekannte und beliebte Film- und Musicalmelodien zur
Aufführung, die das zahlreich erschienene Publikum mit viel Beifall bedachte. In Szene gesetzt wurde das Konzert erstmals mit einer Lichttechnik von
12000 Watt Leistung. Abgestimmt auf die Musik wurde die Beleuchtung, von einem Techniker gesteuert und tauchte die Halle in eine bisher nicht bekannte
angenehme Atmosphäre. Im Verlauf der Veranstaltung ehrte die Kapelle ihren Dirigenten Ernst Merdian zum zehnten Jahrestag seiner Tätigkeit in Lingenfeld
mit einem Ständchen und einem Präsent und gratulierte außerdem zum 60. Geburtstag. Im Herbst 1997 schafften erneut 4 junge Musikanten die Prüfung des
Jungmusikerleistungsabzeichen des Bundes Deutscher Blasmusikverbände in Bronze.
Der musikalische Höhepunkt des Vereinsjahres 1998 war wie immer das Jahreskonzert. Unter dem Motto "Tausendundeine Note" bot die Kapelle
am 9. Mai in der Schulturnhalle ein sehr reizvolles Programm. Eine Besonderheit war, dass der erste Teil des Konzerts vom Dirigenten Ernst Merdian
geleitet wurde, der zweite Teil vom Vizedirigenten Klaus Ungeheuer. Hier bahnte sich der Stabwechsel an, der 1999 vollzogen werden sollte. Eine
besondere Ehrung erhielt Ernst Merdian während des Konzerts. Der erste Kreisbeigeordnete Dr. Esser überreichte ihm die Ehrennadel des Landes
Rheinland-Pfalz und würdigte in bewegenden Worten seinen jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz für die Musik.
Die Welt der Noten hat in geprägt. Im Kindes- und Schüleralter durch seinen Vater, einen Trompeter. Seit 1953 ist Ernst Merdian Musiker. Bereits
mit jungen Jahren kümmerte er sich intensiv um die Jugendausbildung im Verein. Im Jahre 1960 erwarb er das Diplom als Dirigent eines Orchesters bei
Professor Willi Schneider. Die Tätigkeit als Dirigent übte er von 1972 bis 1985 beim Musikverein Mechtersheim aus. Seit 26. Oktober 1987 führt er nun
den Taktstock bei den Lingenfelder Dorfmusikanten. Seit übernahme dieses Amtes hat er sich um die Ausbildung und Formung dieses Orchesters zu einem
beachtlichen Klangkörper verdient gemacht. Für die Ausbildung von Jungmusikern war er bereits vom Landesmusikverband mit der Ehrennadel in Gold
ausgezeichnet worden. Seine Hauptaufgabe sieht er nach wie vor in der Schulung des musikalischen Nachwuchses. Dafür nimmt er viele Mühen in Kauf.
"Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie". Diesen Leitsatz von Ludwig von Beethoven versucht er seinen Schülern
in Theorie und Praxis zu vermitteln. "Tongebung, Atmung, Ansatz und Rhythmus sind elementare Voraussetzungen zum Spielen eines Blasinstrumentes,
und diese gilt es zu erarbeiten".
Am späten Nachmittag des 23. Mai 1998 kehrte die Jugend zurück von einem Fahrradausflug über den Rhein, gerade rechtzeitig, um bei dem Ständchen
und dem kleinen Straßenfest anlässlich der Aufstellung und Einweihung des Notenschlüssels vor dem Musikpavillon in der Humboldtstraße dabei sein zu
können. Die ca. vier Meter hohe Metallplastik war bereits 1985 vor dem Pavillon aufgestellt worden, auf private Veranlassung des damaligen
Vorsitzenden, Dirigenten und Mitbegründer Mathias Pahle. Nach seinem Wegzug aus Lingenfeld 1987 hatte er das Kunstwerk mitgenommen. Gestiftet von
seiner Witwe, Luzia Pahle, kehrte es nun an seinen alten Platz zurück.
Der Kreisjugendbeirat hatte am 20. Juli erstmals zu einem "Jugendaktionstag Musik" eingeladen. 1998 nahmen die Dorfmusikanten nicht am
Straßenfest teil, sondern veranstalteten stattdessen am 4. Oktober das erste Erntedankfest im neuen Pfarrheim. Nach einem feierlichen
Erntedankgottesdienst in der katholischen Kirche, gestaltet von Kirchenchor und einer Bläsergruppe der Dorfmusikanten, fand man sich im festlich
geschmückten Pfarrheim zu Frühschoppen, Mittagessen und Musik der Kapelle. Am Nachmittag und Abend spielten Kapellen befreundeter Vereine aus der
Umgebung.
Das Jahreskonzert 1999 fand am 13.März in der Schulturnhalle statt. Es stand unter den Motto "Hightlights" und begeisterte das Publikum
durch gekonnte Vorträge von Musikstücken aus verschiedenen Stilrichtungen und Epochen. Der denkwürdigste Moment innerhalb des Konzertprogramms war die
Stabübergabe des bisherigen Dirigenten Ernst Merdian an seinen Nachfolger Klaus Ungeheuer. Für sein jahrelanges engagiertes Schaffen, zum Wohle der
Lingenfelder Dorfmusikanten, wurde Ernst Merdian von allen Seiten vielfach Dank gesagt, und die Dorfmusikanten ernannten ihn zu ihrem Ehrendirigenten.
Er selbst bedankte und verabschiedete sich musikalisch, indem er noch einmal ans Pult ging und "May Way" von Frank Sinatra dirigierte.
Nachdem die Dorfmusikanten beim Dorffest im Juli nur noch im kleinen Rahmen teilnahmen, wurde auch in diesem Jahr die alte Tradition wiederbelebt und
Anfang Oktober ein Erntedankfest gefeiert. Diese Idee wurde von der Bevölkerung wie im vergangenen Jahr schon recht gut angenommen. In Zusammenarbeit
mit der katholischen Kirchengemeinde, der KJG, dem Männergesangverein mit Frauenchor und unter Mithilfe einiger befreundeter Kapellen feierte man im
herbstlich geschmückten Pfarrheim. Zum Auftakt war die Erntekrone mit einem Umzug, musikalisch begleitet von den Dorfmusikanten, durchs Dorf gefahren
und danach im Pfarrheim aufgezogen worden. Das Jungmusikerleistungsabzeichen bestanden im Jahr 1999 elf Jungmusiker.
Die größte Herausforderung im Vereinsjahr ist und bleibt das Jahreskonzert. Unter dem Motto "Zeitreise" führte die Kapelle am
18. März 2000 unter Leitung von Klaus Ungeheuer das Publikum musikalisch durch mehrere Jahrhunderte, vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Das Reisegefährt
war eine stilisierte Zeitmaschine. Marcel Gutting am Steuerknüppel brachte die vollbesetzte Schulturnhalle sicher durch die Zeiten. Mit einer kleinen
Bläsergruppe unterstützten die Dorfmusikanten die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 90jährigen bestehen des MGV. Das Tongemälde "Die Abenteuer des
Don Quichote" entwickelte sich zu einem wahren Hit und wurde bei verschiedenen Gelegenheiten wieder und wieder aufgeführt. "Als Meilenstein
in der Geschichte des Vereins" bezeichnete Ortsbürgermeister Hans Jürgen Wallat die Gründung der Jugendkapelle am 6. Juni 2000. Die Jugendkapelle
bestand aus 23 jugendlichen Musikerinnen und Musikern und wurde geleitet vom Dirigenten Klaus Ungeheuer. An seiner Seite der in Ausbildung zum
Dirigenten stehende Holger Kronschnabel, der das Jugendorchester möglichst bald übernehmen sollte.

Gruppenbild Jugendkapelle 2000
Als äußeres Zeichen erhielten die Mitglieder der Jugendkapelle ein T-Shirt der Lingenfelder Dorfmusikanten. Ziel ist es, das Zusammenspiel
zu fördern und den übergang zum aktiven Orchester zu erleichtern. Im Herbst wurde das dritte Erntedankfest gefeiert. Durch das Engagement von Ernst
Merdian gestalteten die Dorfmusikanten am 18. November 2000 eine Hubertusmesse mit dem Hornbläserensemble "Die Pfalzgrafen" in der katholischen
Kirche. Bei der Jahresabschlußfeier des Jahres 2000 konnten die Dorfmusikanten ihr 200. Mitglied begrüßen.
Der musikalische Höhepunkt nach einem harten Probewochenende in Bad Bergzabern war das Jahreskonzert am 17. März 2001. Unter dem Motto
"Klangbilder" überzeugten die Dorfmusikanten das Publikum in der voll besetzten Halle. Der Trompeter Dr. Elmar Birk bewies mit dem
"Alten Dessauer" und seiner strahlenden Doppelzungentechnik an der Trompete sein ganzes Können. Die Aktiven Dr. Elmar Birk und
Alfred Klotz wurden vom 1.Vorsitzenden des Kreismusikverbandes Emil Weschler mit der silbernen Ehrennadel für 25 Jahre aktive Mitarbeit im
Blasorchester geehrt. Zusammen mit der Stadtkapelle Germersheim wurde anlässlich des 1. Germersheimer Festungsfestes vor beeindruckender Kulisse,
begleitet von einem Fackelzug der Freiwilligen Feuerwehr, der "Große Zapfenstreich" an "Fronte Lamotte" aufgeführt. Als
zum Schluß das Deutschlandlied erklang, hatten mehrere 100 Zuschauer "Gänsehaut" und Tränen in den Augen. Am 29. und 30.
September wurde das vierte Erntedankfest im Pfarrheim gefeiert.
Beim Jahreskonzert am 23. März 2002 mit dem Motto "Viva Musica" erklangen Marschmusik, Tango, Klänge aus Afrika, Evergreens von
Udo Jürgens und ein Bravourstück für Solotrompete in der Konzerthalle und überzeugten die Zuhörer. Das Jahr 2002 wird wohl
als "Jahr der Dirigenten" in die Geschichte der Lingenfelder Dorfmusikanten eingehen. Zunächst mußte Klaus Ungeheuer dem Verein
mitteilen, dass er sich aus beruflichen Gründen nicht mehr in der Lage sieht, das Amt des Dirigenten nach dem 1. Oktober weiterzuführen. Alle
Augen blickten auf den neuen Dirigenten Holger Kronschnabel, der soeben seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte. Dieser sagte zunächst
auch zu und begann mit der Arbeit. Bereits kurze Zeit später musste auch er mitteilen, dass seine berufliche Ausbildung ihm keine Zeit für
das Amt des Dirigenten in der aktiven Kapelle lasse. In der Ausschußsitzung am 7. November erklärte sich Martin Kosel bereit, die Aufgaben
des Dirigenten wahrzunehmen. Damit hatte das Schiff wieder einen Kapitän!
Auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins wurde ein Schlachtfest mit "Hausmacher Blasmusik" gefeiert. Unterstützt von
befreundeten Kapellen und beflügelt von dem Erfolg wird das Schlachtfest wohl zur Tradition.
"Choral and Beat for Band" war das Eröffnungsstück am Jahreskonzert am 24. Mai 2003 unter dem Motto "Evergreens"
das Klaus Ungeheuer dirigierte. Danach übergab er den Taktstock an Martin Kosel. Jugendleiter Bernhard Steinmetz stellte 14 Jungmusiker mit
bestandener Bronzeprüfung vor. Für alle war es das Sprungbrett in die Aktivenkapelle. Am 18. September 2003 fand der erste Musikerstammtisch
im Musikpavillon statt. Ein Versuch, bei dem sich Musiker, Vorstandschaft und Dirigent zusammensetzen, um über aktuelle Themen zu diskutieren, mit
dem Ziel, die Arbeit in Verein noch effizienter zu gestalten.
Das Jubiläumsjahr begann musikalisch mit den Proben zum Jubiläumskonzert am 20. März 2004 und organisatorisch mit den Vorbereitungen
der Jubiläumsveranstaltungen. Die Lingenfelder Dorfmusikanten nehmen viele Mühen in Kauf. Sie hoffen und wünschen sich, dass die
Jubiläumsveranstaltungen vielen Gästen aus unserem Dorf und weit darüber hinaus, viel Freude bereiten und sie hier in Lingenfeld einen
Beitrag zur Förderung der Blasmusik leisten.